Zukunftsfelder

Sicherheit und Qualität sind herausragende Merkmale einer langfristig erfolgreichen Technik. Sie sind ein Kennzeichen der deutschen Industrie, die sich derzeit in einem Anpassungsprozess befindet. Dienstleistungen und Informationen bestimmen das wirtschaftliche Wachstum. Globale Märkte und Ressourcen formen eine schlanke, flexible Produktion, die Basis einer Dienstleistungsgesellschaft ist. In solch einem Umfeld wächst die Bedeutung zerstörungsfreier Prüfverfahren, wächst der Bedarf an Qualitäts- und Sicherheitsnachweisen.

Eine zunehmend wichtige Aufgabe der zerstörungsfreien Prüfung wird es sein, risikobezogen die technische Sicherheit von Anlagen und Maschinen quantitativ nachzuweisen, wobei internationale Standards die Nachweisführung regeln. Auf Grund unterschiedlicher nationaler Qualitäts- und Sicherheitskulturen werden die internationalen Regelungen die direkte Nachweisführung durch Prüfungen verstärkt fordern. Diese Entwicklung vollzieht sich bereits z. B. in der Luftfahrt, im Eisenbahnwesen und in der Kerntechnik.

Ähnliches gilt für das Qualitätsmanagement. Zulieferteile können nur Verwendung finden, wenn vorgegebene Qualitätsnachweise geführt werden. Auch fertige Produkte werden auf globalen Märkten einen individuellen, anerkannten Qualitätspass benötigen, um Haftungsansprüchen zu genügen. Dies erfordert eine qualitätsgesteuerte Fertigung mit prozessintegrierten zerstörungsfreien Prüfverfahren.

Neben der risikobezogenen quantitativen ZfP »RISQNDE« und der prozessintegrierten ZfP »PINT« ist die zerstörungsfreie Werkstoffanalytik »µ-NDE« ein weiteres Zukunftsfeld. Neue Werkstoffe, neue Herstellungsprozesse werden für neue Produkte benötigt, wobei die Innovationszyklen im globalen Wettbewerb der Märkte, Ressourcen und Ideen immer kürzer werden. Entwicklungszeiten werden wichtiger als Entwicklungskosten. Die Gebrauchseignung neuer Werkstoffe bzw. die Beherrschung neuer Herstellungsprozesse kann häufig nicht mehr im Rahmen bestehender Regelwerke nachgewiesen werden. Es werden neue, zerstörungsfreie Prüfverfahren benötigt, um z. B. Lebensdauerversuche abzukürzen oder neuartige Qualitätsmerkmale prüfen zu können. Neuartige physikalische Messverfahren mit hoher mikroskopischer Auflösung sind hierfür beispielhaft hervorzuheben.

Aus methodischer Sicht ergeben sich zukünftige Arbeitsfelder in der problemorientierten Suche nach neuen Messverfahren, der Entwicklung preiswerter Prüfsysteme, die sich mit betrieblichen Organisations- und Informationssystemen vernetzen lassen, und der Entwicklung von Signalverarbeitungs-, Korrelations- und Rekonstruktionstechniken, um quantitative Prüfaussagen zum Fehlerzustand oder zur Werkstoffcharakterisierung zu erhalten.